Reformation – Neu vertrauen lernen


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An Gott zu glauben sollte heißen, Angst zu überwinden im Vertrauen. Was auch immer geschieht wir gehen in diesem Leben Gott entgegen, der möchte, dass wir sind, und der uns nie verlässt.
Vor allem: In Gott begegnen wir einer Güte, die uns bedingungslos umfängt und trägt. Wir müssen sie nicht erst mit Vorleistungen uns verdienen. Bereits für Jesus war es deshalb zentral eine Frage auf Leben und Tod, ob er das Opferpriestertum im Tempel weiter dulden dürfte.

Solange Priester mit der Darbringung von Opfern Gottes Güte zu erlangen und zu vermitteln meinen, halten sie Menschen in Angst und Abhängigkeit gefangen und beuten sie die Gottesfurcht der Gläubigen zu Geldgewinn und Geldgeschäften aus. Die Reinigung des Tempels von dem Schacher mit der Angst der Menschen war wohl der Hauptgrund dafür, dass die Hohen Priester die Hinrichtung Jesu forderten und durchsetzten, doch gerade damit endete der Gottesdienst ständiger Ambivalenzgefühle im Schatten von Außenlenkung und Entfremdung.

Die „Reformation“ Luthers galt der Wiederherstellung dieser Grundhaltung Jesu. „Und vergib uns unsere Schuld“ wer so betet in Vertrauen, kann sich nur ganz bedingungslos in Gottes Hände geben. Gnade ist nicht käuflich. Es ist die Bibel und die Not der Menschen, die Luthers Widerspruch gegen die Ablasspraxis Roms herausfordern.

Kann  es  sein,  dass  1500  Jahre  Geschichte uns der Botschaft der Bergpredigt nicht nähergebracht, sondern im Reden davon nur immer weiter entfernt haben? Nicht etwas von Grund auf alles, der „Tempel“ als ganzer musste und müsste gereinigt werden, um als im „Haus des Gebetes für alle Völker“ wieder geöffnet zu werden, in einem Vertrauen ohne Grenzen in Gottes Gnade gestützt auf die Botschaft und das Beispiel Jesu, wie die Bibel es schildert.


Prof. Dr. Eugen Drewermann
aus: evangelisch leben, Gemeindebrief Matthäuskirche 1/2017

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