Ostern 2018

 
(Bild: Yvonne Ennsmann)

Du störst! 


Stören ist bei uns eher negativ besetzt. Da gibt es störende Kinder, ein störendes Geräusch oder ein Gebäude, das in seiner Umgebung stört.

Der Störenfried ist einer, der den Frieden stört.
Aber wenn wir genau schauen, sehen wir:  Stören hat auch etwas Gutes!


Es ist gut, wenn Gewohnheiten, Strukturen, Sichtweisen gestört werden – dann wenn sie menschen- und lebensfeindlich sind! Und Jesus hat die lebens- und menschenfeindlichen Gewohnheiten und Sichtweisen seiner Zeit gestört!

Er hat die Sichtweise gestört, dass es auf der einen Seite die Guten und die Anständigen gibt und auf der anderen Seite die „Sünder“ – wir würden heute vielleicht sagen „die Verlierer“. Indem er gerade mit den Außenseitern gegessen und getrunken hat, hat der das Weltbild der „Insider“ gestört.


Er hat das Bild von dem gängigen Oben und Unten in der Gesellschaft gestört. Gerade indem er Kinder als Vorbild hingestellt hat, mit Frauen über Gewichtiges geredet hat, mit Zöllnern gegessen hat, hat er die Ordnung in „Oben“ und „Unten“  in Frage gestellt.


Und ganz konkret hat er die Händler im Tempel gestört! Da hat er doch glatt alle ihre Tische umgeworfen! Und hat den „Frieden“  ihrer Geschäftemacherei gestört!
Kein Wunder, dass es eine „Lobby“ gab, die diesen Störenfried Jesus aus dem Weg räumen wollte. Sie wollte ihren „Frieden“, das heißt ihre Macht und ihre Privilegien behalten. Und das gelang diesen Mächtigen ja auch. Das Kreuz schaltete diesen Störenfried Jesus erst mal aus – zumindest aus der Sicht seiner Gegner.
Jesus stört auch heute.

Er stört auch heute unsere Sicht der Dinge.

 

Gerade wenn sich in unserer Gesellschaft wieder das Denken breit macht: Die Tüchtigen verdienen ihren Wohlstand, die Verlierer sollen schauen, wo sie bleiben. Das Handeln Jesu stört dieses Denken und erinnert uns daran, dass auch die „Verlierer“ Menschen sind, die eine menschenwürdige Behandlung bekommen sollen. Und vielleicht können gerade die „Verlierer“ uns in unserer erfolgsverliebten Welt etwas ganz Neues über unser Mensch-Sein lehren.
Jesus stört unser Bild vom „perfekten Menschen“, er stört unseren Glauben, dass wir immer perfekt sein müssen – perfekt schön, glücklich, gesund, wohlhabend. Gerade weil er sich mit den nicht-perfekten Menschen seiner Zeit abgegeben hat, macht er auch uns deutlich: das Leben ist nicht perfekt und muss es nicht sein. Aber bei Jesus sind wir willkommen – gerade auch mit den Brüchen in unserem Leben!


Letztendlich stört er auch das Gottesbild seiner und unserer Zeit! Gott am Kreuz – wer will denn das eigentlich? Aber Jesus am Kreuz erinnert uns daran: Gott stellt sich ganz auf die Seite der Verlierer! Und sie sind damit nicht weg, sondern gerade ihnen gibt Gott Recht. Das zeigt uns die Auferstehung dieses „Verlierers“ am Kreuz.
Der Störenfried Jesus ist nicht bequem – auch für uns heute nicht. Wie der Name sagt: er stört unseren Frieden. Aber letztendlich hat der Störenfried Jesus etwas Befreiendes – auch für uns heute! Er befreit uns von allem, was unser Leben und unser Menschsein lähmt und einengt.


Darum lassen wir uns von Jesus stören!

(Text: Pfr. Barbara Wiedermann aus dem GemeindeBrief Christuskirche1/2018)

 

 

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