Protestantische Übergangsrituale

Was ist typisch evangelisch?
 
Wenn wir „von der Wiege bis zur Bahre“ das Leben eines Menschen bedenken und unter einem lebenszyklischen Gesichtspunkt Taufe, Konfirmation, Hochzeit und Beerdigung als „Übergangsrituale“ beschreiben, was macht ihren spezifischen evangelischen Charakter aus und unterscheidet sie von Riten dieser Art?
 
Abgesehen von der Konfirmation, die von ihrem Ansatz her eine in den Evangelischen Kirchen entstandene Feier für die Heranwachsenden der kirchlichen Gemeinschaft ist, teilen wir mit unseren christlichen Schwesterkirchen Taufe, Hochzeit und Beerdigung als feste Bestandteile kirchlichen Lebens. „Spezifisch Evangelisches“ wird in der Beschreibung der jeweiligen Feiern im Einzelnen ersichtlich. Vorangestellt und herausgehoben werden sollen aber zwei Punkte, die sich wie rote Fäden durch alle Feiern hindurch ziehen und denen durch die Beteiligten hoher Wert beigemessen wird: Persönlicher Segen und Bibelspruch.
 
Im evangelisch geprägten christlichen Glauben wird auf persönliche Glaubensüberzeugung und auf eigene Bibelkenntnis von Anfang an großen Wert gelegt. Die Reformationsbewegung entstand unter anderem auch aus einem damals für die Reformatoren als unerträglich erkannten Mangel an eigenen Kenntnissen über den Glauben aus der Heiligen Schrift. Die Übersetzung der Heiligen Schrift in eine für jedermann verständliche Sprache, die damals typisch evangelische Wertschätzung von Schulbildung von klein auf, um diese Schrift lesen zu können, die damals neuen Kirchenlieder in gängigen Straßenmelodien (Volksmelodien) und in gängiger Sprache sowie die Unterweisung der Gläubigen durch einfache Schriften wie Martin Luthers „Kleiner Katechismus“ und die Hochschätzung des gepredigten Wortes zielten auf selbstverantworteten und persönlichen Glauben auf biblischer Grundlage.
 
Die auf allen Schwellen des Lebens persönlich zugeeigneten „Bibelsprüche“ sind als ein persönliches Wort zu verstehen, das mich als Glaubenden auf meinem Weg begleiten soll. Der Sinn eines Verses soll sich im Laufe meines Lebens bewahrheiten, in dem ich Gott, der durch die Worte hindurch zu mir spricht, durch meinen gelebten Glauben in diesem Leben erfahren werde. Der persönlich namentliche und unter Handauflegung zugesprochene Segen betont für mich als Glaubende oder Glaubender meine persönliche Beziehung zu Gott. Gott spricht mich persönlich an und meine Antwort darf und muss ich allein geben. Zwischen Gott (wie er mir in Jesus Christus begegnet) und mir steht kein irdischer Vermittler. Dieser Gott begleitet mich auf meinem Weg und geht mit mir durch Höhen und Tiefen, von Anbeginn meines Lebens bis über den Tod hinaus.
 
Pfarrerin Mag. Susanne Lechner-Masser

Evangelische Superintendentur Salzburg-Tirol

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